Wachteln im Garten halten und pflegen

WachtelkopfSeit kurzem sind wir auf die Wachtel gekommen. Nicht auf eine, sondern auf drei. Wachteln sind gesellig und leben gerne in einer Gruppe. Auch bei uns kuscheln sie sich zusammen, fressen, picken, baden im Sand meist gemeinsam oder ruhen sich einfach zusammen aus. Wir hätten gerne Zwerghühner gehalten. Da diese jedoch deutlich mehr Platz und Auslauf benötigen, haben wir uns für die Minis unter den Hühnchen entschieden – die Wachteln. Wir halten Japanische Legewachteln, drei Hennen, die uns nahezu täglich 3 Eier schenken. Aber mal abgesehen von den sehr wohlschmeckenden und gesunden Eiern erfreuen wir uns einfach an ihrem hübschen Aussehen und ihrem interessanten Wesen.

Überlegungen vor der Anschaffung

Zunächst stand die Überlegung im Raum, wieviel Platz und Zeit die Tiere benötigen und was das alles kostet. Nach einiger Zeit, in der wir uns intensiv informiert haben, stand fest, dass wir Wachteln im Garten halten möchten. Nicht zuletzt, da die Tiere nicht nur als Haustiere, sondern vor allem als Nutztiere anzusehen sind, und uns zu dem Obst und Gemüse im Garten auch ein paar frische Eier liefern.

Wachteln sind eher leise Tiere und stören somit nicht die eigene Ruhe im Garten oder die der Nachbarn. Und da wir keinen Wachtel Nachwuchs wollen und auf die Rufe eines Hahnes verzichten möchten, sind es drei Hennen geworden, die bei uns eingezogen sind.

RasenkantensteineVorbereitung für den Einzug der Tiere

Da Wachteln fliegen können, ist es wichtig, dass der Stall komplett geschlossen ist. Einen passenden Stall hatten wir im Internet schnell gefunden (in unserem Fall „point-zoo Hühnerstall XXL“). Der Hühnerstall, auf 2 Ebenen, hat eine Fläche von insgesamt 2 Quadratmetern, auf der sich die Tiere frei bewegen können. Wir wollten einen Auslauf im Freien, wo sie auf dem Boden picken und scharren können. Über eine Schräge gelangen die Tiere in die etwas höher gelegene geschlossene Etage, die geschützt vor Zugluft ist. Ich hatte bedenken, dass die Tiere diesen Aufstieg nicht hinauflaufen können. Aber wie sich später herausstellte, ist das für die Tiere kein Problem. Ich habe einen Stein unter die Treppe gelegt, damit der Aufstieg nicht zu steil ist. Aus dem Baumarkt habe ich eine kleine Holzleiste geholt und ein paar zusätzliche Querstreben auf die Rampe aufgeklebt – was sich als sehr nützlich herausgestellt hat, damit die Wachteln auf dem Holz nicht ausrutschen.

Bevor der Stall an  seiner endgültigen Stelle aufgestellt wurde, haben wir ein engmaschiges Gitter im Boden verlegt, welches vor Mäusen, Mauswiesel oder Marder schützt. Darauf kamen Rasenkantensteine, da diese günstig sind und leicht zu transportieren waren. Darauf wurde die Voliere gestellt. Der Vorteil ist, dass der Stall mit seinem Holz bei Regen nicht im Wasser steht und somit auch schnell wieder abtrocknet. Der Stall hatte beim Kauf bereits einen wetterfesten Voranstrich – wir haben ihn noch einmal zusätzlich gestrichen, damit er möglichst lange hält und nicht verwittert.

VoliereWoher bekomme ich Wachteln?

Über die Kleinanzeigenportale im Internet findet man diverse Züchter im Umkreis. Im April gab es nur wenige Anzeigen von Züchtern. Manche Züchter halten sehr viele Tiere. Wir wollten keine Tiere aus einer Massenhaltung, sondern von einem Hobbyzüchter mit begrenzter Anzahl an Tieren. Im Mai haben wir dann einen solchen Züchter gefunden. Er ist vorher wie nachher für Fragen und Probleme erreichbar und hat uns schon den ein oder anderen Tipp zur Haltung und Pflege der Wachteln gegeben. Wir haben uns für drei Wachteln entschieden. Als sie bei uns im Mai in die Voliere einzogen waren sie 6 Wochen alt.
Was viele nicht wissen: Die Tiere müssen anmeldet werden, sobald man sie zuhause hat. Das ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. In Hessen ist es so, dass die Tiere bei der Hessischen Tierseuchenkasse anzumelden sind und dort eine Nummer erhalten. Die Kosten sind überschaubar. Derzeit 5,-€ im Jahr plus 0,03 € pro Tier im Jahr. Außerdem sind die Tiere beim Hessischen Verband für Leistungs- und Qualitätsprüfung zu melden – auch hier erhalten sie eine Nummer. Dies erfolgt ohne Gebühren. Die Auskunft hierfür habe ich über meine Stadt erhalten. Man kann sich aber auch beim zuständigen Veterinäramt informieren.

WasserspenderWachteln halten im Garten

Wenn man sich vorab informiert, ist die Haltung von Wachteln recht einfach und kostengünstig. Man hat ein paar Erstanschaffungskosten für den Stall und die Futterspender, aber die laufenden Kosten sind gering.

Ich hatte trotzdem Respekt vor der Wachtelhaltung im eigenen Garten, da ich möchte, dass die Tiere sich wohl fühlen, genug Platz haben und es ihnen gut geht, um eine annähernd artgerechte Haltung zu ermöglich. Nachdem die Wachteln nun seit einiger Zeit bei uns im Garten leben kann ich sagen, dass sie wenig arbeitsintensiv sind. Einmal in der Woche den Stall ausmisten reicht. Und natürlich täglich Futter und Wasser.

ZusatzauslaufSeit neuestem haben die Wachteln einen Auslauf in der Wiese erhalten und haben somit einen Quadratmeter mehr Auslauf zur Verfügung (hier im Bild: „Trixie natura Freilaufgehege“). Das lieben sie sehr und kommen sofort raus, wenn wir diesen aufbauen.

Ich habe verschiedene Einstreuvarianten ausprobiert. Am besten kommen ich und die Tiere mit dieser Lösung klar: Oben im geschlossenen Teil sind Holzspäne als Einstreu und Heu als Nestmaterial. Unten in dem Freigehege haben wir Rindenhäcksel von Kiefer und Lärche.

Verstecke lieben Wachteln sehr. Man kann auch immer schön variieren und das Gehege neu einrichten mit Nadelbaumzweigen, Körben, umgelegte Töpfe usw.

Mittlerweile sind die Wachteln auch schon recht zahm, fressen aus der Hand und zwei davon lassen sich sogar ein wenig streicheln. Das ist mehr als ich erwartet habe, schließlich sind es keine Haustiere zum Kuscheln, sondern Nutztiere.

Wir halten die Wachteln als Hobby und freuen uns im Sommer über ein paar frische Eier. Im Winter,  wenn es nicht genügend Licht gibt, werden sie keine Eier legen. Mit künstlichem Licht kann man erreichen, dass sie auch im Winter legen. Wir werden darauf verzichten. Ich denke eine natürliche Legepause tut den Tieren gut.

Wichtig sind ein Wasser- und ein Futterspender, die man auch gut via Internet bestellen kann. Ich habe festgestellt, dass man in den üblichen Tierhandlungen und Zoobedarf-Geschäften so gut wie nichts für Wachteln findet. Auch das Futter (Pelets) und Körnermischungen bestelle ich im Internet. Wer einen Raiffeisenmarkt oder ähnliches in der Nähe hat, darf sich glücklich schätzen. Der kann natürlich alle Dinge rund um die Wachtel direkt und vielleicht etwas günstiger beziehen. Ab und zu gibt es bei uns zusätzlich frischen Salat aus dem Garten, Kräuter, Melone, Gurke, Reis, Nudeln, Mehlwürmer oder frische Ameisen.

EierWachtel-Eier sind sehr lecker und gesund

Eine Wachteleierschere kann ich nur wärmstens empfehlen. Diese kostet im Internet nicht viel und erleichtert das öffnen der Schalen ungemein. Mein Lieblingsrezept sind Wachtel Spiegeleier. Diese mit Salz und Pfeffer würzen und frischen Schnittlauch aus dem Garten darüber streuen, fertig. Dazu frisches Baguette – herrlich lecker!

Mein Tipp: Die Menge an Wachteleiern, die man essen möchte, mit der Schere nacheinander aufschneiden und in ein Gefäß geben und sammeln. Danach alle Eier auf einmal vorsichtig in die Pfanne gießen. Dann werden sie alle gleichzeitig fertig zum Verzehr.

 

Dreizahm

Wachteln im Winter halten

Wachteln können im Winter Temperaturen von bis zu minus 15 Grad problemlos überstehen, wenn ein paar Vorkehrungen getroffen werden. Wir haben den Stall von 3 Seiten mit Styroporplatten komplett abgedichtet. Was auch ganz wichtig ist, dass keine Zugluft in die Voliere kommt. Deshalb haben wir eine handelsübliche Wachstischdecke besorgt und diese über den kompletten Stall gelegt. So kommt kein Wind durch die Ritzen der Bretter.

Da dieser Winter gleich mal so richtig hart ist und es Frost im zweistelligen Minusbereich über mehrere Tage hat, habe ich zusätzlich vorne 2 Plexiglasscheiben vor dem Gitter angebracht und eine weitere Styroporplatte, die ich bei Bedarf aber jeder Zeit schnell entfernen kann. Ein Tränkenwärmer (für Hühner – aus dem Handel) tut sein übriges, damit das Wasser nicht einfriert. Wachteln benötigen uneingeschränkt Zugriff auf frisches Trinkwasser. Und natürlich eine Extraschicht Einstreu, Heu und Stroh haben die Minihühnchen bekommen. So kommen sie gesund und munter durch den Winter. Bei den kalten Temperaturen sind sie allerdings deutlich ruhiger und weniger aktiv als im Sommer. Oft sitzen sie eng zusammen und wärmen sich so gegenseitig – sehr süß.

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Comments

  1. Ein sehr schöner Beitrag. Es würden sich Gedanken gemacht, Dinge wunderbar umgesetzt. Da ich Wachteln geschenkt bekomme, dachte ich mir…schaue Mal im Internet nach. Und dieser Beitrag ist für mich der Beste! Vielen Dank dafür. Sehr schön geschrieben! Es steckt viel Liebe im Detail. Wünsche euch ganz viel Spaß und Freude mit den Wachteln.

    Herzliche Grüße
    Gabi

  2. Hallo Mara,
    danke für die Rückmeldung, wir geben in Kürze Infos dazu.

    Viele Grüße, die Garten-Freunde

  3. Hallo, ein toller Beitrag! Besteht die Möglichkeit, dass noch ein Link eingestellt wird, über den man die Voliere und auch das Außengehege bestellen kann!
    Das wäre toll!
    Vielen Dank und lieben Gruß
    Mara

  4. Andre says:

    Hallo, sehr schöner Bericht!
    Ich habe mich auch dazu entschlossen Wachteln im Garten zu halten. 6 Hennen und 1 Hahn sollen bald in meinen Stall einziehen. Der Stall ist ähnlich, aber mit Spitzdach. Ich habe ringsum Betonborte gesetzt, damit Marder und Fuchs sich nicht unten durchgraben können. Außerdem steht der Stall direkt mit der Rückseite am Schuppen und ist auch noch durch den Dachüberstand des Schuppens von oben geschützt.
    Im Winter ist es bei uns auch öfters im zweistelligen Minusbereich kalt. Ich habe mir deshalb überlegt die Tiere im Winter im Keller in einem zweistöckigen Hasenstall (Hasenstall Mukkel) im Keller unterzubringen. Ich denke, dass sie sich da auch wohl fühlen werden. Ausreichend Licht kommt durch das Kellerfenster und die Wachteln haben es angenehm warm.

  5. Sehr schön und liebevoll zusammengefasst!Da steckt viel Liebe dahinter! Klasse!

  6. Kristina says:

    Danke für den super Bericht. Wir wollen demnächst ein Haus bauen mit schönem Garten und ich denke Hühner gehören einfach dazu. Normale Hühner sind mir aber zu groß und brauchen viel Platz, zumindest sehe ich das bei meinen Eltern. Ich finde Wachteln sind eine super Alternative und ich bin jetzt voll überzeug, glaube mein Mann jetzt auch 😉
    Das Gehäge sieht toll aus und ich glaube so eins werden wir uns auch anschaffen.
    Lg Kristina

  7. Silva Shooma says:

    Hut ab! Mutig und umsichtig! Danke für diesen Bericht. Hätte ich einen eigenen Garten, würde ich die Idee aufgreifen. In unserem Schrebergarten ist Nutz- oder Hobby-Tierhaltung nicht erlaubt. Wild ist das natürlich etwas anderes ;-). Ich hab hier einiges erfahren, was man nicht kennt, wenn man an Wachteleier denkt. Jedenfalls Guten Appetit Euch weiter! LG von Silva Shooma

  8. Ein sehr schöner Beitrag über diese Tierchen. Das Gehege ist schön groß, sie fühlen sich dort sicher sehr wohl. Danke auch für die vielen Tipps! Liebe Grüße, Kathreen von „Mach mal“

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